Es war mir eine Herzensangelegenheit, in dieser Ausstellung auch Marko Feingold zu ehren, und da ich Kuratorin war, hatte ich die Möglichkeit zu zwei Ehrungen.
Ich hatte das Werk "Auschwitz" schon gemacht, ehe ich mich für die Kuratur in der Art bv Berchtoldvilla bewarb. Ich wählte dieses Objekt, da hier ein Foto von Marko Feingold integriert ist.
Collage mit Acryl auf Leinwand (50x70), Haare, Holz, Metallgitter, oben und links Fotografien auf Karton.
Größe: 57 x 77 cm
Texte auf den Künstlerinfos hier zur weiteren Information
Hommage à Marko Feingold
Biografie
Den
Vornamen und die Kunst (als Auftrag?) vom Vater (Bildhauer) in die
Wiege gelegt. 1948 in München. Zwischen den Ruinen gespielt, aus
Ziegelsteinen Häusl gebaut. Altmetall gesammelt und verkauft,
Schelte dafür bekommen. Brav die Schule absolviert. Gemäß
Mutterwunsch Lehramt für die Grund - und Hauptschule statt Kunst
fürs Gymnasium studiert, heimlich aber mit Schwerpunkt Kunst. Ein
bewegtes Leben geführt. Die Kunst immer als wichtigen Teil von mir
an meiner Seite. Ebenso die Musik und die Natur. An einer
Kunstakademie nachzuholen versucht, was immer schmerzlich zu fehlen
schien. Ständig auf der Suche nach einer ganz eigenen, persönlichen
Aussage. Seit 1990
zahlreiche
Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen
in
Deutschland, Österreich, Finnland, Litauen, Ungarn.
Ab 2011
freischaffende Künstlerin. Kuratorin mehrerer
Ausstellungen in Bayern und
Salzburg.
Zum
Werk
Diese
hommage gilt Marko Feingold, Holocaust-Überlebender
und Zeitzeuge.
Geboren
am 28.
Mai 1913 in
Neusohl, Königreich Ungarn, gest. am 19. September 2019
in
Salzburg, war er
mit 106 Jahren der zuletzt älteste Holocaust-Überlebende
Österreichs.
Anlässlich
der Ausstellung „Verlust“ 2016 in der Art bv Berchtoldvilla
begann ich 2015 mit der Serie „Stolpersteine in Salzburg“. Ich
fotografierte sämtliche Stolpersteine, die verlegt worden waren und
fertigte collagen, Objekte, Installationen an. Bei weiteren
Verlegungen und
Gedenkfeiern lernte
ich Marko Feingold kennen - ein
wunderbarer Mensch. In
seinem Buch „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh“
erzählt er
auch
von
seinem Überleben der
Konzentrationslager
Auschwitz,
Neuengamme, Dachau und Buchenwald.
1945
ließ
er sich
per Zufall in Salzburg nieder. Zwischen 1945 und 1948 half er
jüdischen Überlebenden, die in DP-Lagern in Salzburg lebten, und
organisierte mit der jüdischen Flüchtlingsorganisation Bricha die
(illegale) Durchreise von 100.000 Juden aus Mittel- und Osteuropa
nach Palästina.
Von
1946 bis 1947 war er
Präsident der Israelitischen Kultus-gemeinde Salzburg.1948 wurde er
Inhaber eines Modegeschäftes in Salzburg. Nach seiner Pensionierung
1977 wurde
er
amtierender Vizepräsident und 1979 wieder Präsi-dent der
Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Seither entfaltete er auch
eine ausge-dehnte Vortragstätigkeit, insbesondere als Zeitzeuge
in
Schulen u. Pfarrgemeinden, über den Holocaust, seine Erlebnisse in
den KZs
und das Judentum.
Er war auch aktiver Teil-nehmer im interreligiösen
Dialog.
Ich
traf ihn und
seine Gattin Hanna Feingold
von
2015 bis
2019
bei
diversen Veranstaltungen.
Mich
beeindruckte auch
sein
Humor und
seine liebenswerte,
unkomplizierte Art.
Ein wahres Vorbild gerade für die heutige Zeit.
Hommage à Antoni Tapiès
Biografie
„ Man
sagt, der Name entscheidet oft über das Schicksal eines Menschen.“
(AT)
Mein
spanischer Name
Maite ist
zusammengefügt aus Maria
und
Teresa.
Weiteres
siehe Biografie im Foyer bei
hommage à Marko Feingold
Zum
Werk
2004
war
für mich
ein besonderes Jahr: Ich hatte
bis dahin bereits
einen relativ ausgeprägten
eigenen Stil: in Objekten und
Collagen verwendete ich alte Schachteln,
Papier, Sand,
Steine, Schnüre, eigene Haare,
Fundstücke, Symbole,
nur wenig
Farbe … und fühlte mich
hingezogen zu Joseph Beuys, Egon Schiele, Yves Klein. Eine besondere
Begebenheit an der Kunstakademie
Bad Reichenhall führte mich zum spanischen Künstler Antoni Tàpies.
Ich
begann mich
zu informieren und fand - eine
ganz große Liebe. In
sei-nem Buch „Die Praxis der Kunst“ und
einem Film über
ihn
erkannte
ich viele
Parallelen
und
erstaunliche
geheime Botschaften!
Er wurde
für mich fast
mystisch zum
Seelenver-wandten.
Würdigungen
geschehen oft
durch das Nachahmen
typischer Elemente des
Geehrten.
Meine hommage verbindet unser
beider Bildsprache und Stilmerkmale bis hin zu Weltanschauungen:
armes
Material,
Holz, wertlose
Dinge, Zeichen
und Symbole, ein-geschränkte Farbpalette. Seine Buchstaben und
Ziffern verbinden sich mit
meinen fern-östlichen
Schriftzeichen, ich fühle mich
wie er schon sehr lange zum Asiatischen hingezo-gen. Seinem
schwarzen Kreuz steht mein Kreis, Symbol
des Göttlichen,
die
kleinen Docht-halter
von Teelichtern gegenüber
- seit
2003. Sein
Name Tapies
bedeutet Mauer. Seine
Mauern sind sein plastischer
Farbauftrag aus
Wachs und Marmorstaub, dies
brachte
ihm den Platz in der
Kunstgeschichte ein als
der bedeutendste
Vertreter des spanischen
Informel.
Sand und Steine in der Farbe
oder in Holzleim bilden
meine Mauern. Auch
meine
alten
Schachteln oder deren Teile,
teils ineinander
oder in Schichten übereinander,
ver-mitteln
Plastizität. Seinen
Reliefeffekt und
auch die
Verwendung der Leinwand-Rückseite probierte
ich schon
früh aus. Seine
Grattage wird zu meiner aufgerissenen Wellpappe, Symbol für
Verletzungen. Unser
braun und schwarz und sein rot vermischen
sich zu grau, wird ergänzt durch mein blau, meine innere Farbe.
Pflanzenteile sprechen von
unserer
großen
Achtung vor der Natur. Sein
politischer Protest findet bei
mir Ausdruck in meinem Projekt
„Stolpersteine in Salzburg“. Vorzugsweise
intuitives
Arbeiten drückt
sich bei uns beiden aus
in Malerei und Grafik,
Gekritzel und Farbspritzern,
bei Radierungen,
Collage und Decollage.
Sein großes Bettgestell wird zu meinen kleinen Metallteilen, sein
Besen, wird zu meiner
Randfigur. Seine
einsame Forschungsaufgabe ist auch die meine. Seine Worte werden zu
meinen Werken.
Der
aufmerksame Betrachter kann uns beide darin
finden.