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Samstag, 12. Oktober 2024

Ich habe dich so lieb

Marcel Duchamp meinte, die Maler sollten sich mehr von Literaten als von Malerkollegen inspirieren lassen. Mit großer Intensität arbeitete ich 2023-24 an einer künstlerischen Gedichtinterpretation von Joachim Ringelnatz.  

Joachim Ringelnatz war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem humoristische Gedichte verfasste mit witzigen und wohlklingenden Reimen. Unter dem Namen Hans Bötticher wurde er am 7. August 1883 im sächsischen Wurzen geboren. Seine Ehepartnerin Leonharda Pieper, mit der er von 1920 bis zu seinem Tod 1934 verheiratet war, nannte er liebevoll Muschelkalk. Zur Zeit der Weimarer Republik zählten Schauspieler:innen wie Asta Nielsen und Paul Wegener zu seinen engen Freunden und Weggefährten. Im Alter von nur 51 Jahren starb er in Berlin an Tuberkulose (Erkrankung der Atem- Wege). Sein teils skurril, expressionistisch, witzig und geistreich geprägtes Werk ist noch heute sehr bekannt und beliebt.

Meine folgenden vier Werke stellen die bildnerische Interpretation eines seiner beliebten Gedichte dar:

 „Ich habe dich so lieb“

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb
.

 

Werk 1 

 Titel: Ich habe dich so lieb  

Technik: Materialbild, Acryl auf Hemd/MdF   -   Größe: 61 (96) x 123 cm

Dieses Werk von 2000 kennt ihr schon von meinem Katalog. Mit drei weiteren Materialbildern knüpfte ich daran an.

Im Jahr 2000 war dieses bekannte Gedicht Ausgangspunkt für eines meiner Werke. Damals stand die Überschrift im Mittelpunkt. Der Satz „Ich habe dich so lieb“ war Ringelnatz offenbar besonders wichtig. Es gibt eine schöne Redewendung: Wenn man jemanden lieb hat und für ihn alles tun würde, dann sagt man, dieser Mensch könnte „mein letztes Hemd“ bekommen.

Ich wandte mich nach Absolvieren der wichtigsten Techniken wie Zeichnen, Radierung, Aquarell, Malerei auch Collagen zu, und fertigte Werke mit verschiedenen Materialien und Fundstücken an, sowie objets trouvés, ohne Künstler wie Marcel Duchamps (1887-1968), Robert Rauschenberg (1925-2008) und Antoni Tapiès (1926- 2012) damals zu kennen. 

Dieses „letzte Hemd“ steht im Mittelpunk dieses Werkes während meiner damaligen weißen Phase. Es gehörte meinem Lebenspartner und ich verwendete es spontan, ohne ihn vorher gefragt zu haben. Ich wusste genau, er würde es mir „ohne Bedenken … schenken“. Das Hemd hängt links, damit daneben genug Raum verbleibt, für das Gedicht und für die Liebe. Die nur leben kann, wenn jeder genug Raum bekommt. Am oberen Rand des Hemds sind die Löcher des Siebs angedeutet, über die Ringelnatz in der letzten Strophe des Gedichts schreibt: „Die Löcher sind die Hauptsache an einem Sieb.“


Werk 2

Titel: traurig zu Mut   -   Jahr 2023

Technik: Objekt auf Leinwand   -   Größe: 50 x 50

Auch hier wird die traditionelle Grenze zwischen Malerei und Skulptur aufgehoben. Die Malerei ist mit einem Objekt aus dem Alltag kombiniert und somit erweitert, hin zum dreidimensionalen Raum. Das alte Metall-Sieb (von meiner Aussteuer aus den 70er-Jahren), wie u.a. auch im Werk von Antoni Tapiès zu finden ist, analog zu seiner (und meiner) Aussage „Nichts ist gering“, hat auch hier bereits „die Zeit entstellt“ - es hat zwar schon Rost angesetzt, aber noch sind alle Löcher da, so wie es sich gehört. Aber … Der feurig rote, glänzende Hintergrund „leuchtet“ und nimmt Bezug auf Ringelnatz´s Stellung während des NS-Regimes (Bühnenverbot, Bücherverbrennung). Die Gefangenen innerhalb des Siebs haben „nichts getan“. Sie werden dargestellt durch namenlose Gesichter, wie ich sie bereits 2013/14 als Symbol für NS-Opfer im Holocaust künstlerisch verwendete – Böden von Teelichthaltern, mit entsetzten, aufgerissenen Augen, sowie ein paar Dochthaltern, die seit 2003 in meinem Werk eines meiner bevorzugten Merkmale für Leidende sind. Eines der Metallplättchen trägt das Porträt von Joachim Ringelnatz. Diese Gesichter können, eingesperrt und zusammengepfercht im Innenraum des Siebs, wie damals in den KZs, nur durch die Löcher nach draußen schauen – in den Außenraum. Aber eigentlich wollten sie „nicht bleiben“. Ihnen fehlt es an Atem. Den hatte man ihnen genommen. Zuletzt sogar den Atem zum Leben, Überleben.                                                                                            „Traurig zu Mut“ - für die Betroffenen wie für die Überlebenden im Nachhinein. „ Doch nimmer vergessen“.                                                                                                                                               Die Metallstreifen verwende ich seit längerem gerne als „Rahmen“ bei Kunstwerken – nichts ist gering!, sowie zur Begrenzung oder Verbindung von Räumen.

Die Hauptsache, wie sie in Bild 3 folgt, wären damals für die Menschen auch Löcher gewesen, solche, durch die sie in den Freiraum, die Freiheit hätten entkommen können.

 


Werk 3

Titel: die Hauptsache   -   Jahr 2023

Technik: Objekt auf Leinwand   -   Größe: 50 x 50

              „Unsere Seele ist wie ein Vogel,                                                                                                     

              den Fängen der Jägers entkommen;

             das Netz ist zerrissen,

              und wir sind frei.“                                  (Ps 124,7)

Wie in Werk 2, erscheint hier wieder das Sieb. Positioniert als „Hauptsache“ ebenfalls mittig auf der Leinwand, entgegen den gängigen Regeln der Kunst.

Hier befinden sich jedoch die vorher Eingesperrten, Misshandelten, diejenigen die „nichts getan“ hatten, in einer neuen Situation: „vorbei“. Das alte Sieb war im Laufe der Zeit zerbrochen - „die Zeit entstellt“, die Zeit heilt aber auch Wunden. Dadurch öffnete sich das Gefängnis der Traurigkeit zu einem großen Loch – das war „die Hauptsache“. Gesprengt von der Kraft der Liebe, können die Traurigen nun aus ihrer vorherigen unwürdigen Situation entkommen. Sie können „reisen“. Sie „können nicht bleiben“. Sie bekommen Raum – und können wieder atmen ... Symbol dafür die Libelle, ein kleines Wesen mit hauchdünnen, zarten Flügeln, zart wie die Liebe. Rein und unschuldig wie die Liebe – und „leise“ wie der nun wieder weiße Hintergrund.

Damit sollte die Liebesgeschichte eigentlich zu Ende sein, aber die Vergangenheit lehrt uns, dass …

 


 

Werk 4

Titel: Epilog   -   Jahr 2023

Technik: Objekt auf und vor Leinwand   -   Größe: 30 x 30

 Ich arbeite gerne mit Zahlen (Fibonacci), auch mit der Zahl 4. Bei meiner Ikebana-Ausbildung (1965 – 1977) erfuhr ich, dass im Japanischen die Zahl 4 gleichbedeutend ist mit Tod.

Die Farben weiß – rot – schwarz erinnern an die White, Red, Black Paintings von Robert Rauschenberg (1951). Mit den White Paintings thematisierte Rauschenberg den Anspruch, Kunst und Leben zu verbinden. Dem stimme ich zu. Schwarz stand bei ihm für die Selbstbeschränkung auf das Quasi-Nichts, das ihm bei der Suche nach sich selbst als Ausgangspunkt diente. Es bedeutete auch das Nicht-Wissen, wie es (für ihn künstlerisch) weitergehen würde. Auch hier ist dieser Aspekt gegeben. Die Farbe Schwarz (außen matt, innen glänzend) scheint mit einem Prozess der Transformation verbunden. Sie lässt sich als Mittel zur Grenzüberschreitung deuten, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, vom Materiellen zum Spirituellen, vom Bewussten zum Unbewussten.

Der Betrachter mag Werk 4 vielleicht dahingehend selbst interpretieren.

Sicher kennst Du das Kinderlied von 1890: „ Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt a kloane Wanz´n, schaut´s nur grad die Wanz´n o, wia die Wanz´n … ko … bis hin zur Pause im Lied – Atempause? Die Wanze als Abhörgerät? „Bellt“ bereits „ein Hund“?

Für mich ist die Wanz´n zum Todesvogel mutiert und sitzt bereits in den Startlöchern, um …

auch das Sieb wartet bereits darauf, seine Opfer einzufangen.

Ob sich das grausame Schicksal der Machtergreifung wiederholt, wird die Zukunft zeigen. Ein deutlicher Ruck nach rechts ist bereits erkennbar. Ein weiterer Krieg ab 7. Oktober 2023 bestätigt die schlimmsten Ahnungen.

Ich ende mit einem Zitat, das auch auf mich zutrifft. Auch ich will mit meinen Werken das politisch-soziale Gewissen des Betrachters ansprechen - ich will mit meinen Werken Botschaften übermitteln.

„Ich möchte die Leute wachrütteln“, so Rauschenberg, „ich möchte, dass die Leute das Material betrachten und darauf reagieren. Ihre individuelle Verantwortung möchte ich ihnen bewusst machen, sowohl für sich selbst wie für die übrige Menschheit. Wie einfach ist es, der Welt gegenüber selbstgefällig zu sein. Die Tatsache, dass du ein paar Groschen für eine Zeitung ausgibst, beruhigt fast schon dein Gewissen. Mit der Lektüre glaubst du bereits deinen Teil getan zu haben. Und du wickelst dein Gewissen in die Zeitung, so wie du deinen Abfall darin einwickelst.“

Danke , dass du bis hierher durchgehalten hast. Ich verrate dir, warum es heute so viel mehr ist.    Ich hatte diese Arbeit im Mai 2024 bei einer Ausstellungsbewerbung "Atem der Kunst" in der Art bv Berchtoldvilla eingereicht. Sie wurde von der Kuratorin abgewiesen.                                         Ringelnatz´ Bücher wurden mit Machtantritt der Nationalsozialisten wurden auf den Index gesetzt und er erhielt Bühnenverbot.    -    Ich befinde mich sozusagen in bester Gesellschaft. 

  

 

Sonntag, 26. Mai 2024

Was ich euch noch zeigen / sagen wollte ...

 Wenn ich schon mal am PC sitze ... 

hier noch ein paar Werke, die 2023 entstanden waren - als Nachwehen zur Ausstellung "hommage à ..."

Die Vorliebe für Antoni ist noch deutlich spürbar.

                     Titel: "Klare Stellungnahme" - Technik: mixed media - Größe: 35 x 65 cm


                                 Titel: "Arbeit - das beste Stimulans" - Objekt geschlossen - Größe: 37 x 36

                                          ... und aufgeklappt 37 x 66 


                                           "Sprachloses Schweigen" - Größe: 30 x 44 - 2023


                        Titel: "Umkehrung der Werte" - Objekt -  Größe: 68 x 48 (87 offen) 

         Der Drache lehrt uns: „Wer hoch aufsteigen will, muss es gegen den Wind machen.“

     

 
 Ich danke all jenen Betrachtern, die mich mit Unverständnis bis hin zu Ablehnung bedachten,           seit ich mit den alten Schachteln zu arbeiten begann, weil es das Beste aus mir hervorbringt –           meine Kreativität, meine Kunst. Ich bin eine Informel(le) geworden.

Montag, 3. Juli 2023

Ausstellung hommage à ... Hommage à Marko Feingold

 Es war mir eine Herzensangelegenheit, in dieser Ausstellung auch Marko Feingold zu ehren, und da ich Kuratorin war, hatte ich die Möglichkeit zu zwei Ehrungen. 

Ich hatte das Werk "Auschwitz" schon gemacht, ehe ich mich für die Kuratur in der Art bv Berchtoldvilla bewarb. Ich wählte dieses Objekt, da hier ein Foto von Marko Feingold integriert ist.

Collage mit Acryl auf Leinwand (50x70), Haare, Holz, Metallgitter, oben und links Fotografien auf Karton.

Größe: 57 x 77 cm

Texte auf den Künstlerinfos hier zur weiteren Information

Hommage à Marko Feingold

Biografie

Den Vornamen und die Kunst (als Auftrag?) vom Vater (Bildhauer) in die Wiege gelegt. 1948 in München. Zwischen den Ruinen gespielt, aus Ziegelsteinen Häusl gebaut. Altmetall gesammelt und verkauft, Schelte dafür bekommen. Brav die Schule absolviert. Gemäß Mutterwunsch Lehramt für die Grund - und Hauptschule statt Kunst fürs Gymnasium studiert, heimlich aber mit Schwerpunkt Kunst. Ein bewegtes Leben geführt. Die Kunst immer als wichtigen Teil von mir an meiner Seite. Ebenso die Musik und die Natur. An einer Kunstakademie nachzuholen versucht, was immer schmerzlich zu fehlen schien. Ständig auf der Suche nach einer ganz eigenen, persönlichen Aussage. Seit 1990 zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Österreich, Finnland, Litauen, Ungarn. Ab 2011 freischaffende Künstlerin. Kuratorin mehrerer Ausstellungen in Bayern und Salzburg.


Zum Werk

Diese hommage gilt Marko Feingold, Holocaust-Überlebender und Zeitzeuge. Geboren am 28. Mai 1913 in Neusohl, Königreich Ungarn, gest. am 19. September 2019 in Salzburg, war er mit 106 Jahren der zuletzt älteste Holocaust-Überlebende Österreichs.

Anlässlich der Ausstellung „Verlust“ 2016 in der Art bv Berchtoldvilla begann ich 2015 mit der Serie „Stolpersteine in Salzburg“. Ich fotografierte sämtliche Stolpersteine, die verlegt worden waren und fertigte collagen, Objekte, Installationen an. Bei weiteren Verlegungen und Gedenkfeiern lernte ich Marko Feingold kennen - ein wunderbarer Mensch. In seinem Buch „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh“ erzählt er auch von seinem Überleben der Konzentrationslager Auschwitz, Neuengamme, Dachau und Buchenwald.

1945 ließ er sich per Zufall in Salzburg nieder. Zwischen 1945 und 1948 half er jüdischen Überlebenden, die in DP-Lagern in Salzburg lebten, und organisierte mit der jüdischen Flüchtlingsorganisation Bricha die (illegale) Durchreise von 100.000 Juden aus Mittel- und Osteuropa nach Palästina. Von 1946 bis 1947 war er Präsident der Israelitischen Kultus-gemeinde Salzburg.1948 wurde er Inhaber eines Modegeschäftes in Salzburg. Nach seiner Pensionierung 1977 wurde er amtierender Vizepräsident und 1979 wieder Präsi-dent der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Seither entfaltete er auch eine ausge-dehnte Vortragstätigkeit, insbesondere als Zeitzeuge in Schulen u. Pfarrgemeinden, über den Holocaust, seine Erlebnisse in den KZs und das Judentum. Er war auch aktiver Teil-nehmer im interreligiösen Dialog. Ich traf ihn und seine Gattin Hanna Feingold von 2015 bis 2019 bei diversen Veranstaltungen. Mich beeindruckte auch sein Humor und seine liebenswerte, unkomplizierte Art. Ein wahres Vorbild gerade für die heutige Zeit.

Hommage à Antoni Tapiès

Biografie

„ Man sagt, der Name entscheidet oft über das Schicksal eines Menschen.“ (AT)

Mein spanischer Name Maite ist zusammengefügt aus Maria und Teresa.

Weiteres siehe Biografie im Foyer bei hommage à Marko Feingold


Zum Werk

2004 war für mich ein besonderes Jahr: Ich hatte bis dahin bereits einen relativ ausgeprägten eigenen Stil: in Objekten und Collagen verwendete ich alte Schachteln, Papier, Sand, Steine, Schnüre, eigene Haare, Fundstücke, Symbole, nur wenig Farbe … und fühlte mich hingezogen zu Joseph Beuys, Egon Schiele, Yves Klein. Eine besondere Begebenheit an der Kunstakademie Bad Reichenhall führte mich zum spanischen Künstler Antoni Tàpies. Ich begann mich zu informieren und fand - eine ganz große Liebe. In sei-nem Buch „Die Praxis der Kunst“ und einem Film über ihn erkannte ich viele Parallelen und erstaunliche geheime Botschaften! Er wurde für mich fast mystisch zum Seelenver-wandten. Würdigungen geschehen oft durch das Nachahmen typischer Elemente des Geehrten. Meine hommage verbindet unser beider Bildsprache und Stilmerkmale bis hin zu Weltanschauungen: armes Material, Holz, wertlose Dinge, Zeichen und Symbole, ein-geschränkte Farbpalette. Seine Buchstaben und Ziffern verbinden sich mit meinen fern-östlichen Schriftzeichen, ich fühle mich wie er schon sehr lange zum Asiatischen hingezo-gen. Seinem schwarzen Kreuz steht mein Kreis, Symbol des Göttlichen, die kleinen Docht-halter von Teelichtern gegenüber - seit 2003. Sein Name Tapies bedeutet Mauer. Seine Mauern sind sein plastischer Farbauftrag aus Wachs und Marmorstaub, dies brachte ihm den Platz in der Kunstgeschichte ein als der bedeutendste Vertreter des spanischen Informel. Sand und Steine in der Farbe oder in Holzleim bilden meine Mauern. Auch meine alten Schachteln oder deren Teile, teils ineinander oder in Schichten übereinander, ver-mitteln Plastizität. Seinen Reliefeffekt und auch die Verwendung der Leinwand-Rückseite probierte ich schon früh aus. Seine Grattage wird zu meiner aufgerissenen Wellpappe, Symbol für Verletzungen. Unser braun und schwarz und sein rot vermischen sich zu grau, wird ergänzt durch mein blau, meine innere Farbe. Pflanzenteile sprechen von unserer großen Achtung vor der Natur. Sein politischer Protest findet bei mir Ausdruck in meinem Projekt „Stolpersteine in Salzburg“. Vorzugsweise intuitives Arbeiten drückt sich bei uns beiden aus in Malerei und Grafik, Gekritzel und Farbspritzern, bei Radierungen, Collage und Decollage. Sein großes Bettgestell wird zu meinen kleinen Metallteilen, sein Besen, wird zu meiner Randfigur. Seine einsame Forschungsaufgabe ist auch die meine. Seine Worte werden zu meinen Werken. Der aufmerksame Betrachter kann uns beide darin finden.


Hommage à Antoni Tapiès

Freigestrampelt von allen Anstrengungen des Kuratoriums hier meine fotos der Ausstellung insbesondere für alle Freunde der art informel.

Die 17 Werke entstanden - mit Ausnahme des ersten Werkes -  2022 und 2023 nach Zitaten von Antoni Tapiès und wurden nach sinntragenden Wörtern aus diesen Zitaten benannt. 

                                           Gesamtansicht "meiner Ecke"  

                           (ohne Werk 3, das links neben der Türe bei meiner Künstlerinfo stand)

                           

Werk 1

Am Ursprung der künstlerischen Berufung steht immer der 

                                 Schmerz einer starken, vitalen Erfahrung.


                                                                          Werk 2

“Se hace camino al andar”. Der Weg entsteht im Gehen.



Werk 3

                                                       … Künstler als Randfigur … 

 

 
 
Werk 4

Instinktiv habe ich immer jegliche Art von Dirigismus in der Kunst abgelehnt. 

 

 

Werk 5

“Farbe an sich” gibt es nicht. Was ich brauche, ist eine innere Farbe. 

  

Werk 6

Stille kann manchmal beredter sein als das Wort.

Haiku des berühmtesten jap. Haiku-Dichters Matsuo Basho:

Blühendes Gras auf dem alten Schlachtfeld

                                                                                   den Träumen entsprossen

der toten Krieger

Werk 7

Auf Seiten des Künstlers bedarf es der Authentizität und des profunden Denkens.

Haiku von Gochiku Nakabayashi:

Die lange Nacht

das Geräusch des Wassers

sagt, was ich denke.

 

 

Werk 8

Das entscheidende ist … eine wirkliche Spur zu hinterlassen, eine

lebendige Mitteilung, die fesselt und überdauert, auch wenn die Werke  

verschwinden oder …

Asiatisches Sprichwort: Hebe deinen Blick und du siehst keine Grenzen.

 

 

Werk 9

Wenn ein Künstler sich dennoch eines Tages entschließt, sich auf einen Meister der

Vergangenheit zu beziehen, dann nur deshalb weil er in ihm einen Menschen 

gefunden hat, der sich in der gleichen elementaren Einsamkeit bewegte …

 

 

Werk 10

… die Entwicklung fast immer auf einen Kampf gegen den Zeitgeschmack 

 hinausläuft.

 

Diptychon:

 Werk 11

Wir sollen uns deshalb nicht wundern, wenn er (der Künstler) manchmal bestrebt 

scheint, sich völlig entblößt zu zeigen.

Werk 12

Das Wesentliche an der Kunst ist ihre Rolle als Triebfeder, als Trampolin,

das uns zur Erkenntnis verhilft.


Werk 13

Der Künstler muss sich ganz ins Unbekannte stürzen,

muss alle Vorurteile verwerfen …

 

 

Werk 14

                                                                 Nichts ist gering.

 

 

Werk 15

Der Künstler erreicht nur dann positive Resultate, wenn er an seiner

einsamen Forschungsaufgabe arbeitet.

 

 

rechts

Werk 16

Künstler als … wunderlicher Außenseiter.

 

 

Ein Foto von Tapeès Atelier inspirierte mich zu dieser Assemblage. Es vereint Elemente die mein Seelenverwandter verwendete mit meinen Merkmalen. Die box links am Ende der Assemblage ist meine Urne, in der ich einmal beigesetzt werden möchte.

Werk 17

… einzig und allein das tägliche Experiment und der Zustand ständiger Wachsamkeit bringen manchmal im völlig unerwarteten Augenblick das

Wunder zustande: und dann beginnt ein an und für sich stumpfes Material

mit einer Ausdruckskraft zu sprechen, die man kaum mit etwas anderem vergleichen kann.

Hinzufügen möchte ich noch ein Zitat von AT:

“ Der Wert eines Kunstwerks

ist allein an seinen Wirkungen zu messen. “

Die Wirkungen in dieser Ausstellung waren so verschieden wie die Menschen an sich. Besonders freute ich mich, dass insbesondere von Fachleuten aus der Kunstgeschichte positive Rückmeldungen kamen. 


Ich bitte die schlechte Darstellung hier zu entschuldigen, meine PC-Kenntnisse sind nicht gerade berauschend, ich verbringe meine restliche Lebenszeit lieber mit der Kunst.