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Montag, 3. Juli 2023

Ausstellung hommage à ... Hommage à Marko Feingold

 Es war mir eine Herzensangelegenheit, in dieser Ausstellung auch Marko Feingold zu ehren, und da ich Kuratorin war, hatte ich die Möglichkeit zu zwei Ehrungen. 

Ich hatte das Werk "Auschwitz" schon gemacht, ehe ich mich für die Kuratur in der Art bv Berchtoldvilla bewarb. Ich wählte dieses Objekt, da hier ein Foto von Marko Feingold integriert ist.

Collage mit Acryl auf Leinwand (50x70), Haare, Holz, Metallgitter, oben und links Fotografien auf Karton.

Größe: 57 x 77 cm

Texte auf den Künstlerinfos hier zur weiteren Information

Hommage à Marko Feingold

Biografie

Den Vornamen und die Kunst (als Auftrag?) vom Vater (Bildhauer) in die Wiege gelegt. 1948 in München. Zwischen den Ruinen gespielt, aus Ziegelsteinen Häusl gebaut. Altmetall gesammelt und verkauft, Schelte dafür bekommen. Brav die Schule absolviert. Gemäß Mutterwunsch Lehramt für die Grund - und Hauptschule statt Kunst fürs Gymnasium studiert, heimlich aber mit Schwerpunkt Kunst. Ein bewegtes Leben geführt. Die Kunst immer als wichtigen Teil von mir an meiner Seite. Ebenso die Musik und die Natur. An einer Kunstakademie nachzuholen versucht, was immer schmerzlich zu fehlen schien. Ständig auf der Suche nach einer ganz eigenen, persönlichen Aussage. Seit 1990 zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland, Österreich, Finnland, Litauen, Ungarn. Ab 2011 freischaffende Künstlerin. Kuratorin mehrerer Ausstellungen in Bayern und Salzburg.


Zum Werk

Diese hommage gilt Marko Feingold, Holocaust-Überlebender und Zeitzeuge. Geboren am 28. Mai 1913 in Neusohl, Königreich Ungarn, gest. am 19. September 2019 in Salzburg, war er mit 106 Jahren der zuletzt älteste Holocaust-Überlebende Österreichs.

Anlässlich der Ausstellung „Verlust“ 2016 in der Art bv Berchtoldvilla begann ich 2015 mit der Serie „Stolpersteine in Salzburg“. Ich fotografierte sämtliche Stolpersteine, die verlegt worden waren und fertigte collagen, Objekte, Installationen an. Bei weiteren Verlegungen und Gedenkfeiern lernte ich Marko Feingold kennen - ein wunderbarer Mensch. In seinem Buch „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh“ erzählt er auch von seinem Überleben der Konzentrationslager Auschwitz, Neuengamme, Dachau und Buchenwald.

1945 ließ er sich per Zufall in Salzburg nieder. Zwischen 1945 und 1948 half er jüdischen Überlebenden, die in DP-Lagern in Salzburg lebten, und organisierte mit der jüdischen Flüchtlingsorganisation Bricha die (illegale) Durchreise von 100.000 Juden aus Mittel- und Osteuropa nach Palästina. Von 1946 bis 1947 war er Präsident der Israelitischen Kultus-gemeinde Salzburg.1948 wurde er Inhaber eines Modegeschäftes in Salzburg. Nach seiner Pensionierung 1977 wurde er amtierender Vizepräsident und 1979 wieder Präsi-dent der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Seither entfaltete er auch eine ausge-dehnte Vortragstätigkeit, insbesondere als Zeitzeuge in Schulen u. Pfarrgemeinden, über den Holocaust, seine Erlebnisse in den KZs und das Judentum. Er war auch aktiver Teil-nehmer im interreligiösen Dialog. Ich traf ihn und seine Gattin Hanna Feingold von 2015 bis 2019 bei diversen Veranstaltungen. Mich beeindruckte auch sein Humor und seine liebenswerte, unkomplizierte Art. Ein wahres Vorbild gerade für die heutige Zeit.

Hommage à Antoni Tapiès

Biografie

Man sagt, der Name entscheidet oft über das Schicksal eines Menschen.“ (AT)

Mein spanischer Name Maite ist zusammengefügt aus Maria und Teresa.

Weiteres siehe Biografie im Foyer bei hommage à Marko Feingold


Zum Werk

2004 war für mich ein besonderes Jahr: Ich hatte bis dahin bereits einen relativ ausgeprägten eigenen Stil: in Objekten und Collagen verwendete ich alte Schachteln, Papier, Sand, Steine, Schnüre, eigene Haare, Fundstücke, Symbole, nur wenig Farbe … und fühlte mich hingezogen zu Joseph Beuys, Egon Schiele, Yves Klein. Eine besondere Begebenheit an der Kunstakademie Bad Reichenhall führte mich zum spanischen Künstler Antoni Tàpies. Ich begann mich zu informieren und fand - eine ganz große Liebe. In sei-nem Buch „Die Praxis der Kunst“ und einem Film über ihn erkannte ich viele Parallelen und erstaunliche geheime Botschaften! Er wurde für mich fast mystisch zum Seelenver-wandten. Würdigungen geschehen oft durch das Nachahmen typischer Elemente des Geehrten. Meine hommage verbindet unser beider Bildsprache und Stilmerkmale bis hin zu Weltanschauungen: armes Material, Holz, wertlose Dinge, Zeichen und Symbole, ein-geschränkte Farbpalette. Seine Buchstaben und Ziffern verbinden sich mit meinen fern-östlichen Schriftzeichen, ich fühle mich wie er schon sehr lange zum Asiatischen hingezo-gen. Seinem schwarzen Kreuz steht mein Kreis, Symbol des Göttlichen, die kleinen Docht-halter von Teelichtern gegenüber - seit 2003. Sein Name Tapies bedeutet Mauer. Seine Mauern sind sein plastischer Farbauftrag aus Wachs und Marmorstaub, dies brachte ihm den Platz in der Kunstgeschichte ein als der bedeutendste Vertreter des spanischen Informel. Sand und Steine in der Farbe oder in Holzleim bilden meine Mauern. Auch meine alten Schachteln oder deren Teile, teils ineinander oder in Schichten übereinander, ver-mitteln Plastizität. Seinen Reliefeffekt und auch die Verwendung der Leinwand-Rückseite probierte ich schon früh aus. Seine Grattage wird zu meiner aufgerissenen Wellpappe, Symbol für Verletzungen. Unser braun und schwarz und sein rot vermischen sich zu grau, wird ergänzt durch mein blau, meine innere Farbe. Pflanzenteile sprechen von unserer großen Achtung vor der Natur. Sein politischer Protest findet bei mir Ausdruck in meinem Projekt „Stolpersteine in Salzburg“. Vorzugsweise intuitives Arbeiten drückt sich bei uns beiden aus in Malerei und Grafik, Gekritzel und Farbspritzern, bei Radierungen, Collage und Decollage. Sein großes Bettgestell wird zu meinen kleinen Metallteilen, sein Besen, wird zu meiner Randfigur. Seine einsame Forschungsaufgabe ist auch die meine. Seine Worte werden zu meinen Werken. Der aufmerksame Betrachter kann uns beide darin finden.


Donnerstag, 12. November 2020

2020 Stolpersteine in Budpest - itt lakott (hier wohnte)

Der Besuch im Nov 2019 in Budpest hat mich auf die Idee gebracht, ein Pendantbild zu "hier wohnte" zu gestalten  mit dem Titel  "itt lokott". Ich konnte während der Woche in Budapest nur etwa 20 Stolpersteine als Rohmaterial für die Arbeit selber fotografieren. Die Opfernamen und Straßen entnahm ich dem Internet. Die meisten Gedenksteine wurden für jüdische Opfer verlegt. Alle weiteren schickte mir meine liebe Freundin mm, die ich aufgrund der Ausstellung dort kennen lernte. Unermüdlich fuhr sie durch die Stadt, um die Gedenksteine zu fotografieren und mir zu schicken. Diese verarbeitete ich dann zur Collage. Alle bisher in Budapest verlegten 165 Steine sind auf dem Bild enthalten, was innen im Stadtplan wegen der Vielzahl nicht Platz fand, gestaltete ich am Rand links oben und links unten. Während er Arbeit begleiteten mich auch Bücher über den Holokaust in Budpest. Nach einem halben Jahr unermüdlicher Arbeit, auch in der ersten Zeit der Pandemie, war das Bild dann im Juli 2020 fertig.

Ich widme es einem Ungarn, meinem lieben verstorbenen Freund Stefan Himmel, der im Gegensatz zu seinen Eltern und drei seiner Brüder den Holokaust überlebte und der mich ein Stückweit kurz nach dem Krieg in meiner Kindheit begleitete.

 Titel: itt lakott, 100 x 100 cm, Collage und mixed media auf Papier

                                           Entstehung - Straßenplan

                                           Ausschnitt - Mitte


Freitag, 15. Februar 2019

2019 - Reise nach Budapest

Eine freudige Nachricht hat mich gestern erreicht: mein bislang letztes Werk der Serie wird im November nach Budapest reisen. Anlass ist eine Austauschausstellung. 20 Künstler der Art bv Berchtoldvilla präsentieren ihre Werke zusammen mit Künstlern aus Ungarn.
Im Mai - Juni, kann man alle Werke bereits in Salzburg sehen.
Das Ausstellungsthema lautet:  "uták - Wege".
Vorher wird dieser Stadtplan aber erst noch aktualisiert mit den Straßen, in denen im Sept. 19 die nächsten Stolpersteine verlegt wurden. manchmal mit etwas Schwierigkeiten verbunden, wenn da bereits ein Foto liegt.





Stst 35: Titel "élt itt - hier wohnte", collage und mixed media auf Papieren, 100x 100.

MEin ganz besonderer Stadtplan der Stadt Salzburg zeigt nur die Straßen, in denen die Gedenksteine liegen. Wer die Stadt kennt, wird erkennen, dass der Plan insbesondere in der Altstadt rechts der Salzach nahezu vollständig ist. Hier im Andraeviertel gibt es kaum eine Straße, in der keine Opfer wohnten. 

Freitag, 22. Juni 2018

Einladung zur Ausstellung in Laufen / Salzach


Einladung

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kunst- und Kulturinteressierte,



am Samstag, 14.Juli 2018 werden erstmals in Laufen/Salzach um 16 Uhr in der  Schloss-Str. 6 Stolpersteine verlegt – Gedenksteine für NS-Opfer.
Der Initiator des Projekts „Stolpersteine“, Gunter Demnig, führt die Verlegung persönlich aus.  
Im Anschluss daran findet von 18 - 21 Uhr im Alten Rathaus, Rottmayrstraße 16, 
die Eröffnung der Ausstellung  „Stolpersteine – Kunst - Musik - Literatur“  statt.
Die Ausstellung ist vom 15.7. bis 19.7.18 täglich von 16-19 Uhr zu besichtigen.

Wir möchten ich Sie gerne einladen und freuen uns auf Ihren Besuch.

Mit freundlichen Grüßen

Maite Schmidt - Erika Emans - Brigitte Janoschka

Mittwoch, 1. November 2017

Kunstserie "Stolpersteine in Salzburg" 2015 - 2017

Hallo liebe Besucher meines Kunstblogs
so gut ich in Kunst bin, so schlecht bin ich in PCarbeit.
Ich konnte aus technischen Gründen in meinem ersten Kunst- blog "maiteskunst.blogspot.com  nicht mehr weiter schreiben. Daher nun der neue blog (2) ...

Und die Arbeit der letzten 2 -3 Jahre legt ohnehin einen Neubeginn nahe.
Seit dem Frühjahr 2015 wächst meine Serie "Stolpersteine in Salzburg" unaufhörlich.
Ich zeige sie euch alle zusammen der Reihe nach, wie sie entstanden sind :


Das ist der vorläufer: "Schoah" mit der box "Holocaust" rechts, 70 x 110 , Acryl auf LW und Metallteile auf Karton,   2013-14. damals machte ich noch mehr boxes - Kunst in alten Schachteln.  Inwischen bei Gelegenheit, wenn es für mich thematisch passt.

2015

Das erste Stolpersteinbild 2015 mit dem schlichten Titel "Stolpersteine - Diptychon" - eine Collage auf Leinwand / Karton, 70 x 135 cm, zwischen den Fotos Acryl mit Sand, Steinen, eigenen Haaren. Die Metallteile stammen von Teelichtern, die Dochthalter symbolisieren die Leidenden, Sterbenden, Toten - die Opfer. Auf den Stolpersteinen liest man die Daten der einzelnen Opfer aus Salzburg.


Stst 2 -  "Frauen und Paare" - 94 x 72 collage auf Karton in einem alten Fensterrahmen.
Ich verarbeite gerne alten Karton, aufgerissen als Zeichen von Verwundungen aller Art.


Stst 3 - "Getrennte Wege" - 100 x 50, Collagea auf Leinwand
Die Wellpappe ist immer "hausgemacht" von alten Schachteln.


  Stst 4 a und b - "Widerstand", boxes oben 66 x 50, unten 35 x 50.

 Sie können geöffnet werden, dans sehen sie so aus. die untere box ist innen noch nicht fertig, hier arbeite ich bei Neuverlegungen weiter  ... wenn sie voll ist, zeige ich sie euch.
 


Stst 5 - "Das Haus der Toten Kinder" - 60 x 80 collage auf mdF



Stst 6 - "Krankenmorde", collage auf Leinwand, 100 x 50 mit Bandagen, Leukoplast und Klammern.


Stst 7 - "Jüdische Opfer" ,  collage auf LW / Karton (aufklappbar), triptychon 80 x 120




 Stst 8 - "Widerstand" , Installation Höhe 2,10 m, Kabelrolle, Metallstangen, Metalldraht, Ststfotos auf Karton

2016

Stst 9 - "Ein Koffer im Andraeviertel" ,  Box 57 x 57


 Stst 10 - "Noch ein Koffer" ,  Objekt box, 37 x 52 x 10 , Foto von einer Ausstellung, umgeben von Stolperstein-Nachbildungen Mitte links hinter dem Teelicht ein Original-Stolperstein.



Stst 11 - "Hartheim" , Collage auf Leinwand /Karton, beidseitig (hier Vorderseite)  nach der 2. Erweiterung , die Rückseite zeige ich, wenn sie fertig ist ...


 Stst 12 - "und noch kein Ende" ,  Objekt, Collage auf Leinwand, Karton, Holz, Schnur, 170 x 45 - wird bei Bedarf nach unten erweitert



Stst 13 - "Nachbildungen" (Auswahl) , Fotos auf Holz, etwa 12 x 12 x 12



Stst 14 - " Hoffnung 37° ", Installation 190 x 150 x 120



Stst 15 - "Gemeinsames Leid" , Triptychon 70 x 130, mixed media. Ich fertigte es für einen Ausstellung in Vilnius, Litauen.



Stst 16 - "Hildegard Lohmann", Collage 20 x 30, (verkauft).
Kleine Werke mache ich für den Verkauf, der Erlös dient als Spende (meist an Plan international oder einen Stolperstein), oder als Geschenk an besondere Menschen.



Stst 17 - "Widerstand - Lang, Wallis, Micheler", collage 30 x 20.  (verkauft)



Stst 18 - "Adolf Altmann" - Collage 20 x 30.
Ein Geschenk an Herrn Marko Feingold, Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg, es befindet sich in der Synagoge in Salzburg.



Stst 19 - "Familie Stefan Zweig", Collage 40 x 40.
Geschenk an Dr. Gert Kerschbaumer, den Verfasser der meisten Opferbiografien.


2017

Stst 20 - "Flucht", collage auf Leinwand, 100 x 40 ,
Opfer, die ihre Rettung (vergeblich) in der Flucht suchten


Stst 21 - "Doppelmord", Collage mit Metall auf Leinwand, 100 x 35,
befasst sich mit den besudelten Stolpersteinen



 Stst 22 - "Wintersteine" - Objekt, 100 x 70, mit selbst gefertigen Strickwaren.
So sehen die Gedenksteine im Winter aus.  Als "Ermahnung" gegen Jammereien im Winter.


Stst 23 - "Judengasse 17", Collage 23 x 30 .
Hier begannen meine Recherchen zum Thema.


Stst 24 - "Der 29. September 1900", Collage 20 x 32.
Beim Lesen der Opferbiografien bermerkte ich dieses Datum, das für mich eine besondere Bedeutung hat.


 Stst 25 -"Walter Schwarz"  , Collage auf LW, 20 x 30
von diesem Opfer habe ich den ersten Original Stolperstein bei der Neuverlegung wegen Beschädigung bekommen. man sieht ihn auf dem Bild von Stst 10. Es war der 1. Stein, der in der Stadt Salzburg verlegt wurde.



Stst 26 - "Die Brüder Nobis", collage 40x 40.
sie waren die ersten beiden Gedenksteine die 1996 im Land Salzburg verlegt wurden.
Die Verlegungen nimmt überdies immer der Künstler Gunter Demnig vor, der Initiator des Kunstprojekts Stolpersteine. und das seit über 29 Jahren. Chapeau!



Stst 27 - "Endstation Mauthausen", Objekt 2teilig auf LW /Karton, 77 x 67 ,
mit Originalsteinen aus Mauthausen. Es kann oben beim sog Zeltlager erweitert werden.
Im Frühjahr 2017 war ich zu Besuch in der Gedenkstätte Mauthausen. Mit diesem Werk habe ich meine Eindrücke dort verarbeitet.


Stst 28 - "unterwegs", Collage, Durchmesser 50 ,
in der Mitte ein Foto von mir, ich durfte bei der Verlegung im Sept. 2017 selbst mit Hand anlegen.
für den Stolperstein unten Mitte habe ich die Patenschaft übernommen. 


Weitere Stst-Bilder sind bereits entworfen /in Arbeit. Das Thema hat eine solche Eigendynamik entwickelt, dass ich nicht aufhören kann ... schaffe ich es demnächst, meine Gedanken zu diesem Serie hier zu posten - der Text steht schon, aber für einen weitere Arbeit auf dem PC muss ich erst mal wieder Luft holen - so wie nach jedem Stst-bild.

Solltest du Interesse an meiner Biografie haben, hier eine Kurzfassung, ausführlichere Angaben findest du auf meinen ersten blog, ebenso meine früheren Werke. diesen blog hat mir einen liebe Freundin eröffnet, der ich damit ganz herzlich danke - merci liebe A.

maiteskunst.blogspot.com




Kurz-Biografie
1948             geboren und aufgewachsen in München
1968 - 71      Ausbildung Kunst an der päd. Hochschule in München,
1995 - 2004  Weiterbildung an der Kunstakademie Bad Reichenhall 
1971 - 2011  Lehrtätigkeit, danach frei schaffende Künstlerin
2003 - 2008  Kursleiterin: VHS Freilassing,  Art Forum Lehen, Salzburg
2016             Kuratorin der Ausstellung „Verlust“, Berchtoldvilla, Salzburg
Mitglied bei Kulturverein Ainring, Art bv Berchtoldvilla, Salzburger Kunstverein

Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen
seit 1990 in Deutschland, Österreich, Finnland, Litauen 

Und wer nun noch immer was lesen will - 
hier meine Gedanken zu meinen Werken



Ausgangspunkt für die Serie Stolpersteine war die box „Holocaust“ von 2013, die ich 2014 zum Diptychon „Schoah“ erweiterte. Ein Film über die NS-Zeit hatte mich dazu angeregt. Das Thema NS-Opfer ließ mich nicht los. Und so stolperte ich 2015 zwangsläufig über "meine" ersten beiden Stolpersteine in der Judengasse 17.

Ich fotografierte sie. Erkundigte mich im internet und begann meine erste Arbeit dieser Serie - Diptychon. Nicht ahnend, welches Ausmaß das noch nehmen sollte. Es bekam eine  Eigendynamik, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Es entstanden Fotocollagen, Objekte, boxes, Installationen, Werke zum weiter daran arbeiten nach Neuverlegungen.
Ich baute meine bis dahin verwendeten Stilmerkmale ein:                                                                              Gebrauchter Karton, wie bei all meinen boxes. An manchen Stellen aufgerissen. Das Zeichen für Verletzungen. Teile von Teelichtern. Seit 2003 die Dochthalter für Leidende, Misshandelte, Sterbende, Tote. Und zunehmend dann alle Teile verarbeitend. Die Böden für Gesichter, mit weit aufgerissenen, Blut unterlaufenen Augen. Die Ränder als Bilderrahmen, auch zur Verbindung von Bildteilen. Farben sehr sparsam. Lieber Bleistift. Blass, zart, einfach, skizzenhaft. So wie das Leben vor allem junger Opfer noch einer Skizze glich. Namen von Opfern auf den Fototeilen, herausgeschnitten, wie aus dem Leben heraus. Mit Sand, Steinen, Haaren ergänzt. Acrylfarbe in Grautönen, angeglichen an die Umgebung – angeglichen, angepasst musste man damals sein, nur nicht auffallen, sonst hätte einem das schon zum Verhängnis werden können. Aber nicht alle waren es. Konnten es nicht sein aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Veranlagung, Weltanschauung. Jüdische Menschen, Sinti, Roma, Zeugen Jehovas, Behinderte, Homosexuelle, Kriegsdienstverweigerer …
Straßennamen von den letzten Wohn- oder Arbeitsstätten. Bekannte Namen, Straßen in denen jeder schon einmal ging – die Steine nicht sehend. Wie damals. Das Unheil nicht sehend.  Auch mit Beiwerk, das spezielle Thema verdeutlichend: „Krankenmorde“ – Bandagen, Leukoplast, Klammern. Metallstangen in einer Kabelrolle für die „Zwangsarbeiter“. Eine Windel im „Haus der Toten Kinder“. Die Gedenk-Steine dieser Säuglinge und Kleinkinder waren besonders eindringlich. Nahe beisammen, so viele! Auch die Fotoausschnitte klebte ich nahe zusammen oder gar schichtweise. Um die Vielzahl der Opfer zu verdeutlichen. Wie schon bei der ersten box „Holocaust“. Das Fotografieren der Bilder und deren Verarbeitung auch in Nachbildung von Stolpersteinen verliefen parallel. Eigendynamik. Alle haben gelitten. Kann nicht mehr aufhören. Mein Unterbewusstsein schickte einen Entwurf nach dem anderen, in einer Vielzahl wie nie zuvor. Arbeiten manchmal bis zur Erschöpfung.  So konnte ich dem Thema gerecht werden. Nur so. „Es muss schmerzen, damit es heilen kann.“ („Unendliche Geschichte“). Nur der Winter, die zunehmende Kälte im Atelier schickte mir eine Atempause, um im Frühjahr 2016 die Arbeit wieder aufzunehmen. Es lagen noch Entwürfe vor, die umgesetzt werden mussten. Endlich nach etwa 330 Stolpersteinen vermeintlich fertig. Sommer 2016: bei der Neuverlegung  bekam ich einen der ersten Originalsteine von Gunter Demnig, dem Initiator, geschenkt, da ging die Arbeit dann sofort weiter…
Mein Gedanke damals: „Ich weiß nicht, wann oder ob ich das Thema je „fertig“ habe - künstlerisch vielleicht, menschlich sicher nie.“                                             
Ich präsentiere meine Werke in einer Ausstellung immer eng beieinander, als Rauminstallation. Es geht nicht nur um die Wirkung des einzelnen Werkes, sondern auch um die Gesamtwirkung. Ich möchte beim Betrachter ein Gefühl der Enge, der Beklemmung, der Bedrängnis aufzeigen oder gar hervorrufen, ein Gefühl, das in noch viel höherem Maße diese Menschen ertragen mussten – ständige Angst, Verlust der Sicherheit,  der inneren und äußeren Freiheit, Verlust der Menschenwürde, des Hab und Guts, des Lebens. Nach der Ausstellung Verlust, wo die Stolpersteine zum ersten Mal gezeigt wurden, habe ich weiter gearbeitet. Ich musste.
2017 bekam ich Gelegenheit zu einer Ausstellung in meinem Wohnort Ainring. Bekannt auch durch einen gewissen Flughafen. Und zu einer Ausstellung in Vilnius – einer Stadt, die vor dem Holocaust 40 % jüdische Bewohner hatte. So ging die Arbeit weiter. Auch der kalte Winter 2016/17 generierte ein besonderes Werk – Wintersteine, so wie die Gedenksteine im Winter aussehen.
Kleinere Werke mache ich für den Verkauf (als Spende) und als Geschenke für besondere Menschen (z.B. Marko Feingold). Ausschreibungen für Ausstellungen in der Berchtoldvilla, der Besuch der Gedenkstätte Mauthausen, sowie Neuverlegungen regten zu weiteren Werken an. Ich kann einfach nicht aufhören …
Warum ich das mache? Eine Erklärung ist nur in einem persönlichen Gespräch möglich.
                                                Danke, dass du alles gelesen hast.