Donnerstag, 8. Oktober 2026

2024 - QUI ABITAVA und Chiese da Venezia

 Fast hätte ich es vergessen - 2024 führte uns der Urlaub nach Venedig.  

Schon mehrere Male war ich in Venedig durch die Calle dei Fabbri gegangen – und hatte ihn nicht gesehen. 2011 bereits, als ich die Biennale besuchte. Damals deshalb nicht, weil es ihn damals noch gar nicht gab. Aber dass ich ihn dann im April 2024 nicht sofort gesehen hatte, empfand ich fast als eine Art Schande für mich. Aber wer schaut in einer Stadt wie Venedig schon auf den Weg, auf den Boden? Es gibt doch genug anderes zu sehen.                                                                                                                    Gerade im Sestriere San Marco schweift der Blick eher staunend und bewundernd nach oben oder bleibt, wie auch in anderen Stadtteilen auf Schaufensterhöhe. Aber beim vierten oder fünften Durchlaufen dieser relativ engen Gasse zur Vaporetto-Station Rialto, sah ich ihn auf einmal – den Stolperstein. „Bonaventura Ferrazzutto – arrestato come politico – deportato Mauthausen“. Nun wurde mir klar, dass auch in Venedig diese Gedenksteine verlegt wurden und werden. Auch über einen weiteren im Viertel San Polo stolperte ich im wahrsten Sinne des Wortes. Anders erging es mir dann natürlich im Viertel Cannaregio, wo ich diese Gedenksteine nun im Gheto schon erwartete. Hier sind sie in größerer Anzahl z.T. bis zu 9 Stücken vor einem Haus zu finden. Ich erlebte ähnliches wie in Salzburg. Meine Pflasterknipserei hatte zur Folge, dass sich fast immer Grüppchen von Neugierigen um mich bildeten, die wissen wollten, was denn da am Boden so interessant war - was ich da in der typischen Haltung, mit mehr oder weniger vorgebeugtem Oberkörper und nach unten gesenktem Kopf, fotografierte. Man kann diese Haltung auch als respektvolle Verneigung wahrnehmen. Leider werden gerade in dieser schönen Stadt die Stolpersteine kaum wahrgenommen, weder als Mahnmal noch als Kunstwerke von Gunter Demnig, dem Initiator.

Und wie sollte es anders sein – zuhause gestaltete ich dann mit Hilfe des internetes wieder eine Collage. Dieser gingen bereits zwei ähnliche Arbeiten voran – „Hier wohnte“ und „It lakott“. Alle drei sind besondere Stadtpläne der Städte Salzburg, Budapest und nun Venedig. Gleich ist allen, dass hier die Stolpersteine der Stadt versammelt sind, je nach Platzverhältnissen innen oder hier in Venedig aufgrund der Enge, außen herum. Nur kleine goldfarbene Quadrate liegen an der Stelle, wo man sie finden kann, mit der Hausnummer versehen, die in Venedig anders ist als bei uns – meist eine vierstellige Zahl ohne Straßennamen. Dies erschwerte mir die Arbeit ungemein. Der größte Unterschied zu den beiden Werken davor besteht darin, dass auf diesen Plänen Straßen aufgezeichnet sind, nur die, in denen die Gedenksteine liegen, hier aber Wasserstraßen. Venedig gleich erkennbar an der typischen Form des „Canal Grande“ und dazu alle anderen kleinen Kanäle und unzähligen Brücken. Alle 400 wird der Betrachter aber sicher nicht finden. Dafür jedoch die vielen Kirchen, die ebenso zur Lagunen-Stadt gehören.

"Qui abitava": Grafik und Collage auf Papieren, 100x100, 2025
 
 
Auf oberer Stelle neben dem Flair den die vielen Gassen und Kanäle verbreiten, stand der Besuch der Kirchen. Da ich gerne eine Kerze entzünde, fiel mir sofort auf, dass die Teelichter dort in anderen Hülsen stecken. Mich umsehend steckte ich die erste leere in meine Tasche, denn ich verarbeite leere Teelicht-hülsen in meinen Kunstwerken seit 2003. Sie sind größer, v.a. der Dochthalter, und außen rot. Das würde sich sicher gut machen auf meinen neuen Werken, dachte ich. Und von da an begann ich zu sammeln, um am Ende der Reise eine große Tüte voll mit nach Hause zu bringen.        Und  nach längerer Pause machte ich dann mal wieder eine box (Nr.63). Anlass war die Lieferung meiner neuen Visitenkarten – die Schachtel hatte genau meine Lieblingsform.
 
"Chiese da Venezia": 2024, 42x26x10, 2024
 
Im oberen Teil sind 20 Hülsen versammelt, in ihnen Abbildungen der berühmtesten Kirchen – allen voran San Marco, S. Fra, S. Polo und auch die jüdische Synagoge hat ihren Platz dort, gekennzeichnet durch einen Davidstern. Die Lage entspricht in etwa der Lage in der Stadt.                                                          Im unteren Teil sind auf einer Stadtkarte nur Wasserstraßen und die Kreuze für die Kirchen aufgezeichnet. An der besonderen Form des Canal Grande ist die Lagunenstadt sofort erkennbar. 

 
 Oben ziert zu beiden Seiten eine Goldborte, den schier unerschöpflichen Prunk der Kirchen unterstreichend. Außen herum schrieb ich die Namen der 66 Kirchen, nach Stadtvierteln geordnet.
 
 Falls ich eine übersehen habe, möge man mir das verzeihen.   

A Line a Day

 2026 folgte die Ausstellung "A Line a Day". Schon im Winter 2024/25 hatte ich nur für mich drei Werke gemacht, die dann genau zum Ausstellungsthema passten -" Nippon - Nihon - Die kleine Schnecke".  Du konntest sie schon vor einiger Zeit hier sehen (weiß - rot - schwarz).  Die Vorarbeit zu dieser Ausstellung bereitete mir besonders viel Freude, und es verging kein Tag, an dem ich nicht japanische Kalligrafie übte.

 Die speziellen Vorgaben zur Ausstellung brachten mich auf die Idee, die Haiku auf kleine Wellpappe-Stücke, oftmals Reste von vorherigen Arbeiten, zu schreiben. Ziel war ein Zusammenwirken von Form und Inhalt. Mal mit einem Haiku beginnend, das mich besonders ansprach (die neuen aus dem 21. Jh. zunehmend mehr), dann aber auch mit einem Stück Pappe beginnend, das plötzlich "zufällig" in meinen Händen lag. Am Ende der Vorbereitungen war ich auf etwa 100 kleine Bilder und Lesezeichen gekommen, maximal 30x20 cm. Es war eine besonders intensive Zeit, und erst das nächste Thema brachte mich auf neue Wege. 
 
Hier ein paar meiner Lieblings-Werke ... 
 
das erste ...
 
 
Auf  der Rückseite steht das haiku in jap. und deutscher Sprache und Hinweise zum Dichter oder Besonderheiten.
 
 

 "Herbstwind bläst / der Blick des Bettlers taxiert mich / als seinesgleichen" 
Kobayashi Issa (1804) 
Das kleine rote Quadrat - immer da wo es mMn am besten hinpasst - enthält die Moren meines Namens (Katakana-Alphabet, da ausländisch); ma - i - te 
 
 

 Ochi Etsuin schrieb über weißes Haare, die er von seinen Eltern verbergen wollt. Ich fügte, wie oft auf meinen Bildern, eigene Haare hinzu, die inzwischen auch weiß geworen waren. 
 
 
Ein wackelnder Zahn des Dichters Kobayashi Issa, von dem ich dir früher schon geschrieben hatte, dass ich mich ihm besonders nahe fühle, - dazu ein Stück alte Zahnkrone von mir. 
"Flatternd / wie ein Mohnblütenblatt / der Vorderzahn" (1812)
 

Maki: "Rispenhortensienstengel / jeder zog auf seiner Seite / meine erste Liebe".
Die Stäbe zur Aufhängung variieren ... 
 
 

 Im fortgeschrittenen Alter spicht einen dann auch die "letzte Wohnstatt" an. 
Issa: "Das wird nun also / meine letzte Wohnstatt sein? /  fünf Fuß tie der Schnee".
 

 
Hier zwei Haiku über den Mond - welch ein Unterschied ... 
Yosa Buson 1775: "Zwischen Narzissen / spielen da nicht Füchse / unter fahler Mondsichel."
Masaki Yuko 2011:" Hunderttausend Jahre später / wenn ich daran denke - nichts mehr / nur noch der Mondschein".  
 
 

Eine Frottage kombiniert mit Kalligrafie - 
Tsubouchi Toschinori (1976) "Aus dem Dunkel des Regenmonds/ kommt es, offenen Mundes/ - das Neugeborene." 
Die Moren sind hier stückweise aufgebracht, so wie halt eine Geburt vor sich geht. 
1976 wurde mein Sohn geboren.
 

Das Sternenfest Tanabata - und die Legende von den Sternen Altair und Wega. 
Kagy no Chiyojo (18.Jh.): "Stelldichein der Sterne / welcher von beiden wird wohl / zuerst etwas sagen?".


 "Durchlässiger Bambusvorhang / vereiste Tatami-Matten / was für ein Schneegestöber" - ausdrucksstarke Verse der DichterIN Segawa. (1687.)
Die Bamusstäbe als Aufhängung sind aus meinem Garten.  
 


 Hoshino Tatsuko: "Das Papierfenster / schiebe ich zu - und spüre nun / rings die Farben des Hrebstes "  . Ich verband es mit dem Fenster eines Briefumschlags, die ich seit langem sammle und bei passender Gelegenheit  verwende. 

 


 Hasegawa KAI (*1954): "Gezähntes, durchsichtig / blitzendes Blatt der Elektrosäge / lässt mich schaudern vor Kälte". 

Ich weiß heute nicht mehr, wann und wo ich dieses Metallteil fand ...  aber bei mir wird alles aufgehoben - "Nichts ist gering", wie A.T. sagte, mein Seelenverwandter, mit dem ich die Liebe zu asiatischer Kunst, Kulur, Religion teile.  


 Kawasaki Tenko (2003): "Der Ball beim Spielen / weggespickt in die falsche Richtung / dieser Erdball".

Welch weise Worte - und es wurde nicht besser danach .... 

 

Dieses Haiku bezieht sich auf den nach dem Fuji höchsten Berg Japans - Shirane (3192 m),  der aus 3 Erhebungen besteht. Mein Stück Keramik von einem zerbrochenen Blumentopf schien mir gerade geeignet.        Maeda Fura (1937)           

 


Nomura Toshiro (1956): "Ich fache Feuer an - /Jenseits am Horizont der kahlen Felder / geht einer seines Wegs".                      Ich kombinierte das Rot eines Torii mit der Farbe des Feuers. 

 


 Issa : " Ameisenstraße - / Aus Wolkengebirge kommt sie / zieht sich wohl endlos ins Weite ". 

Das Unscheinbare - ich liebe es ...

 


                                     Der braune Pappe-Rest wurde zum "Götterspeer" von                                                          Sugiki Moichi: "Götterspeer so lang / Glanz über irdischen Gefielden / beim ersten Beischlaf". 
 
 

  Keine Haiku ohne Matsuo Basho, den größten aller Meister:
" Erster Winterregen / selbst der Affe hätte gerne / ein Strohmäntelchen".  (1689)
 

 


                                                           Sassa Seisetu (1872-1917): 
"Verfallender Tempel / der grimmige Wächter am Tor /  überwuchert von jungem Laub"

 

 

Mori Sumio (1953):"In der Neujahrsnacht - / weiß wie ein Schwan / meine Frau im Bade."

Takakuwa  Ranko (1787): "Erster Tag im Jahr / mit diesem Herzen möchte ich / in der Welt leben" 

Ich schrieb diese Verse ganau in der Neujahrsnacht und am 1. Januar. 

 




 Basho (1684): "Der Frühling setzt ein. / Noch hab ich fünf Maß alten Reis / zum Neuen Jahr". 

Wie genügsam diese alten Meister doch lebten. Siehst du die Reiskörner? 

 


 Hier, so meine ich, ist mir die Verknüpfung von Form und Inhalt besonders gut gelungen - aus lauter Reststücken.

Issa (1804): "Die Pflaumenblüten duften / da mag kommen wer will / meine Teeschalen alle beschädigt". Issa stammte aus einenm Bauernhof (wie mein geliebter Opa), er lebte sehr lange in großer Armut und schuf dabei dennoch (oder gerade deshalb) so göttliche Gedichte. 



  Suzuki Murio (1999): " Unter stechenden Blicken / fault das `20. Jharhundert`/ seinem Ende entgegen.          Dieser Inhalt war mir besonders wichtig. Daher machte ich drei Werke bis es mir wirklich gefiel.           Es enthält zudem eine Doppelbedeutung - 20. Jahrhundert nijusseki - ist eine Sortenbezeichnung für eine jap. Birne (Nashi) . Das Verb "faulen" ist hier im konkreten wie übertragenen Sinn angebracht. Auch hier wieder das Unscheinbare, Kleine, die Kerne.
 


 Ich schließe die "Kleinen Bildchen" mit einer Anlehung an "Die große Welle", die damals im Frühjahr gerade in München zu sehen war. 
Yosa Buson (1762): "Frühlingsmeer / Wellenspiel den ganzen Tag / hin und her hin und her". 

und auf der Rückseite des Segels:

 

Yamaguchi Seishi (1944!): "Wenn er aufs Meer hinaustreibt / der Wintersturm - dann gibt´s / kein Zurück mehr".  

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Am Ende machte ich noch ein sehr zeitaufwändiges Werk - auf 3lagiges altes Papier schrieb ich das Hiranga- und Katakana-Alphabet. Da ich es bei der Ausstellung nicht  austellen durfte, hängte ich es mir bei der Vernissage um den Hals und bekam so noch mehr Aufmerksamkeit als am Boden liegend, wie ich es mir gewünscht hatte. 

 
Da sich beim anstrengenden Schreiben der Kanji und Moren leicht mal die Hand verkrampft (und der Kopf auch) , schob ich leichte "Kritzeleien" - Bokuseki dazwischen. Darüber erzähle ich dir später noch. Hier nur mal ein paar Impressionen - ohne Worte 
 

 
 
  
 



und hinten die Sitzende Linie
 

Systems of Networks

 Im Herbst 2025 folgte die Ausstellung Systems of Networks in der BV. Ich näherte mich dem Thema auf zwei Wegen, dem materiellen und dem künstlerischen. 

Network: Bei allen antiken Teilen von Harley-Davidson-Motorrädern besteht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens. Das Ding läuft nicht, wenn ein Teil fehlt oder defekt ist, was bei diesen „Mopeds“ nicht selten der Fall war.

Mosaics: Der künstlerische Teil beruht bei zwei Werken auf dem „Erbe“ von Friedensreich Hundertwasser, einem bedeutenden modernen Meister der Mosaike, beim dritten

auf dem Pointilismus von Georges Seurat und Paul Signac.. Die mosaikartigen Elemente der Objekte sind mit Öl (kein Schmieröl) auf Holz gefertigt.

Straßen als Notwendigkeit, Voraussetzung für Network.

Die Werke stammen aus der 21 Werke umfassenden Serie „Harley in Art“ von 1994-95. Der in Werk 3 dargestellte Freak fuhr damals die H.D., auch steuerte er die antiken Teile sowie die Holzplatten zu den Kunstwerken bei.  

  

 
Merry-go-round, Zündgeber, Öl auf Holz, Höhe 36 cm Sockel 15 x 15
 
    
 
You ´re on my way, Getriebezahnrad, Öl auf Holz, 24 x 56 x 5
 

 Snuffin´ Freak, Benzinhahn, Öl auf Holz, 55 x 47 x 5, die schwarzen Stellen sind Aussparungen.
 
 

Montag, 5. Oktober 2026

Weiter geht´s

 Nun habe ich lange nichts mehr hier hören lassen, weil ich immer technische Probleme habe - ich möchtes es erneut versuchen - morgen ...

ich hoffe, das sieht dann besser aus als der "Schmutz" auf meinem Balkon .

Freitag, 18. Juli 2025

Psyches IATREION - Heilstätte der Seele

 

 

Dieses Werk ist noch bis 14. August zu sehen in der Berchtolvilla -  in der Ausstellung "8 Milliarden". 

Die Ausschreibung erforderte, die Größe der 8 Milliarden (Weltbevölkerung) so dar zustellen, dass der Betrachter sich diese eigentlich unvorstellbare Größe vorstellen kann. Dieser Anforderung näherte ich mich mit Hilfe der Mathematik und über Buchstaben. Ich errechnete bei einem mitteldicken Buch die Anzahl der Buchstaben: je Zeile etwa 50 Buchstaben, je Seite etwa 40 Zeilen, je Buch etwa 500 Seiten. Das ergibt je Buch ca. eine Million Buchstaben. Für 8 Milliarden Buchstaben braucht man daher je nach Größe etwa acht bis zehn Tausend Bücher. Eine ganze Bücherei ! Diese imaginäre Bibliothek ist auf drei aufgeklappten Tragetaschen dargestellt. Die Bücher stehen in 960 Regalen, die Bücherrücken sind teilweise beschriftet. Der Titel „Psyches Iatreion“ war Inschrift über dem Tor der Bibliothek von Alexandria in hellenistischer Zeit, der größten Sammlung von Schriften der antiken Welt. Diese Inschrift befindet sich u.a. auch auf dem Portal der Stiftsbibliothek in St. Gallen. Die Tragetaschen aus Papier stehen symbolisch für Mitnahmeeffekt und Nachhaltigkeit. Denn zudem geht es beim Thema Weltbevölkerung auch um deren Versorgung, die bei umsichtiger Erzeugung und gerechterer Verteilung besser möglich wäre, als es momentan der Fall ist. 

  

Die Juroren waren Getraud Kamml (Salzburger Kunstverein), Dieter Kleinpeter (Prof. für Malerei an der Universität Mozarteum) und Peter Husty (Kunsthistoriker und Chefkurator des Salzburg Museums). Den Preis bekam meine liebe Kollegin Mag. Christiane Pott. Für mich war es mich ein großer Erfolg, in der Endrunde zu sein. Ich danke der Kuratorin Andrea Lacher-Bryk vor allem dafür, dass sie meine Idee unterstütze und mir den von mir ausgesuchten Platz in der Berchtoldvilla zugestand.

Ausschnitt 
 
 Davor war ich noch intensiver auf die Versorgung der 8 Milliarden Menschen und eine zeitliche Komponente eingegangen. Der dicke Ast war ein Buchstaben fressendes Wesen. 
 Er hatte 1771 wegen einer Hungersnot im Land Salzburg angefangen Buchstaben zu fressen. Eine in jeder Sekunde. Bis zur Ausstellung wäre er fertig geworden. 
Mir wurde jedoch von einer Kollegin geraten, dieses Narrativ weg zu lassen, die Bibliothek alleine gefiel ihr sehr. Da ich 2021 bei gleicher Gelegenheit von einer (anderen) Jurorin den Satz hörte: "Idee sehr gut, aber zu viel,"  folgte ich diesem Rat. 
Ihr könnt diese Arbeit von 2021 weiter unten ansehen. 
 
Hier möchte ich die Idee und Ausführung dennoch zeigen. Was meint ihr dazu?
  
 
Der Text beginnt mit einer Initiale, wie sie früher in Büchern zu finden waren. Oben die Maria von der Mariensäule auf dem Domplatz in Salzburg, sie steht auf der Weltkugel und ist umgeben von Rosen.
 

Ich heiße so, weil ich Buchstaben fresse. Nichts lieber als Buchstaben. In jeder Sekunde einen …

Im Jahr 1771 habe ich damit angefangen, denn damals herrschte im Land Salzburg eine große Hungersnot wegen Missernten. Da habe ich mich auf Buchstaben spezialisiert. Sie schmecken mir enorm gut und ich werde erst aufhören, wenn ich

acht Milliarden

gefressen habe. Das wird demnächst der Fall sein. Die Bücher in den Regalen werden immer leerer. Das sieht man nur von außen nicht. Wie so vieles ... Da stehen nur noch leere Hüllen. Und nebenbei habe ich gerechnet, denn Buchstaben fressen macht auch schlau. Auf einer Zeile dieses Buches mit dem lustigen Umschlagdeckel kannst du etwa 50 - 60 Buchstaben zählen. Eine Seite hat etwa 35 Zeilen. Das sind dann rund 2000 Buchstaben je Seite. Das Buch hat ungefähr 500 Seiten, das ergibt eine Million Buchstaben pro Buch. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Um 8 Milliarden Buchstaben zu fressen muss ich dann etwa acht- bis zehn-Tausend Bücher leeren. Das sind natürlich nur ungefähre Angaben, aber es ist ja auch egal, an welchem Tag genau ich heuer damit fertig werde. Vielleicht gerade während der Ausstellung. Ich habe nämlich noch etwas errechnet: wenn ich in jeder Sekunde einen Buchstaben fresse, dann brauche ich für 8 Milliarden Buchstaben ungefähr 235 Jahre. Anschließend mache ich jedenfalls eine Diät – die Heißhunger-Kur. Damit nicht alle Bibliotheken leer gefressen werden.

Es ist mir etwas peinlich das zu sagen, aber - ab und zu habe ich Verdauungsprobleme. Da fallen dann Buchstaben bei mir hinten heraus. Siehst du sie am Boden? Wenn du magst, kannst du aus Buchstaben Wörter bilden oder gar sinnvolle Sätze. Vielleicht zum Thema Hungersnot, dem Auslöser meiner Fress-Sucht.

Auf der Erde leben zurzeit etwas mehr als 8 Milliarden Menschen. Und täglich werden es mehr. Viele von ihnen leiden an Hungersnot - so wie ich damals 1771. Das müsste nicht sein. Wenn man die Ressourcen dieser wunderbaren Erde gerechter verteilen würden, dann könnten alle Menschen satt werden. Es gäbe weniger Kriege und weniger Fluchtbewegungen. Dazu müsste man natürlich auch auf das Klima achten und auf einen vernünftigen Anbau. Es würden weniger Lebensmittel vernichtet werden, was wieder dem Klima zugute käme.

Was meinst du dazu?

Zwei weitere Informationen habe ich überdies noch für dich zum Jahr 1771: In der Stadt Salzburg, die damals schon eine zwar kleinere aber wunderschöne Stadt war, wurde in Mülln ein Waisenhaus und auf dem Domplatz die Mariensäule errichtet. Und Mozart, den ja jeder kennt, war damals grade in Mailand, und er schrieb in diesem Jahr seine Sinfonie in A-Dur, KV 114. 

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    Zum Abschluss noch ein Foto von Letterix´ Verdauungsproblem. Trotz der vielen Hungersnöte in der Welt, darf auch der  Humor nicht fehlen ...

 

   

Sonntag, 8. Juni 2025

Wo ist Jonathan?

 Die derzeitige Ausstellung in der BV trägt den Titel "Ich seh´ etwas, was du nicht siehst". Ich trug ein Objekt dazu bei. Auf meiner Künstler-Info kann man folgenden Text lesen:

" Die morbide Schönheit der abgestorbenen und vertrockneten Blätter der Opuntie hatte mich schon immer fasziniert.

Auf diesem Blatt, das ich vor drei Jahren meiner Opuntia ficus indica abgenommen hatte, ergaben sich beim Trocknungsprozess interessante Strukturen und Bilder.

Ich erkannte vor allem in den vielen Punkten, wo früher die Stacheln saßen, Augen von Fischen, Vulkane wie beim Kleinen Prinzen und schließlich sah ich plötzlich einen fliegenden Vogel – eine Möve, die ich nach der Erzählung von Richard Bach „Jonathan“ nannte.

Sie zu finden ist nun hier die spannende Aufgabe für den Betrachter.  Das antike Holzstück stammt von einem alten Leiterwagen." 

 

Das Objekt machte ich bereits etliche Wochen davor aufgrund des BewerbungsTermins. Nicht mit einkalkuliert hatte ich, dass sich die Natur weiter verändert. Und ebenso nicht, dass der Kurator, das Objekt verkehrt herum aufstellte.

Bei der Führung war Jonathan leider nicht mehr zu sehen. 

Er war "weg geflogen". 

Und über diesen Satz konnten die Gäste dann herzhaft lachen. 

Kunst kann auch mal richtig Spaß machen.

 

  

 

 

 

 

 

 

Davor war Jonathan auf der Rückseite links unten.


 

 

 

                Siehst du ihn? --->