2026 folgte die Ausstellung "A Line a Day". Schon im Winter 2024/25 hatte ich nur für mich drei Werke gemacht, die dann genau zum Ausstellungsthema passten -" Nippon - Nihon - Die kleine Schnecke". Du konntest sie schon vor einiger Zeit hier sehen (weiß - rot - schwarz). Die Vorarbeit zu dieser Ausstellung bereitete mir besonders viel Freude, und es verging kein Tag, an dem ich nicht japanische Kalligrafie übte.
Ochi Etsuin schrieb über weißes Haare, die er von seinen Eltern verbergen wollt. Ich fügte, wie oft auf meinen Bildern, eigene Haare hinzu, die inzwischen auch weiß geworen waren.
Hoshino Tatsuko: "Das Papierfenster / schiebe ich zu - und spüre nun / rings die Farben des Hrebstes " . Ich verband es mit dem Fenster eines Briefumschlags, die ich seit langem sammle und bei passender Gelegenheit verwende.
Hasegawa KAI (*1954): "Gezähntes, durchsichtig / blitzendes Blatt der Elektrosäge / lässt mich schaudern vor Kälte".
Ich weiß heute nicht mehr, wann und wo ich dieses Metallteil fand ... aber bei mir wird alles aufgehoben - "Nichts ist gering", wie A.T. sagte, mein Seelenverwandter, mit dem ich die Liebe zu asiatischer Kunst, Kulur, Religion teile.
Kawasaki Tenko (2003): "Der Ball beim Spielen / weggespickt in die falsche Richtung / dieser Erdball".
Welch weise Worte - und es wurde nicht besser danach ....
Dieses Haiku bezieht sich auf den nach dem Fuji höchsten Berg Japans - Shirane (3192 m), der aus 3 Erhebungen besteht. Mein Stück Keramik von einem zerbrochenen Blumentopf schien mir gerade geeignet. Maeda Fura (1937)
Nomura Toshiro (1956): "Ich fache Feuer an - /Jenseits am Horizont der kahlen Felder / geht einer seines Wegs". Ich kombinierte das Rot eines Torii mit der Farbe des Feuers.
Issa : " Ameisenstraße - / Aus Wolkengebirge kommt sie / zieht sich wohl endlos ins Weite ".
Das Unscheinbare - ich liebe es ...
Sassa Seisetu (1872-1917):
Mori Sumio (1953):"In der Neujahrsnacht - / weiß wie ein Schwan / meine Frau im Bade."
Takakuwa Ranko (1787): "Erster Tag im Jahr / mit diesem Herzen möchte ich / in der Welt leben"
Ich schrieb diese Verse ganau in der Neujahrsnacht und am 1. Januar.
Basho (1684): "Der Frühling setzt ein. / Noch hab ich fünf Maß alten Reis / zum Neuen Jahr".
Wie genügsam diese alten Meister doch lebten. Siehst du die Reiskörner?
Hier, so meine ich, ist mir die Verknüpfung von Form und Inhalt besonders gut gelungen - aus lauter Reststücken.
Issa (1804): "Die Pflaumenblüten duften / da mag kommen wer will / meine Teeschalen alle beschädigt". Issa stammte aus einenm Bauernhof (wie mein geliebter Opa), er lebte sehr lange in großer Armut und schuf dabei dennoch (oder gerade deshalb) so göttliche Gedichte.
Suzuki Murio (1999): " Unter stechenden Blicken / fault das `20. Jharhundert`/ seinem Ende entgegen. Dieser Inhalt war mir besonders wichtig. Daher machte ich drei Werke bis es mir wirklich gefiel. Es enthält zudem eine Doppelbedeutung - 20. Jahrhundert nijusseki - ist eine Sortenbezeichnung für eine jap. Birne (Nashi) . Das Verb "faulen" ist hier im konkreten wie übertragenen Sinn angebracht. Auch hier wieder das Unscheinbare, Kleine, die Kerne.
Ich schließe die "Kleinen Bildchen" mit einer Anlehung an "Die große Welle", die damals im Frühjahr gerade in München zu sehen war.
und auf der Rückseite des Segels:
Yamaguchi Seishi (1944!): "Wenn er aufs Meer hinaustreibt / der Wintersturm - dann gibt´s / kein Zurück mehr".
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Am Ende machte ich noch ein sehr zeitaufwändiges Werk - auf 3lagiges altes Papier schrieb ich das Hiranga- und Katakana-Alphabet. Da ich es bei der Ausstellung nicht austellen durfte, hängte ich es mir bei der Vernissage um den Hals und bekam so noch mehr Aufmerksamkeit als am Boden liegend, wie ich es mir gewünscht hatte.
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