Fast hätte ich es vergessen - 2024 führte uns der Urlaub nach Venedig.
Schon mehrere Male war ich in Venedig durch die Calle dei Fabbri gegangen – und hatte ihn nicht gesehen. 2011 bereits, als ich die Biennale besuchte. Damals deshalb nicht, weil es ihn damals noch gar nicht gab. Aber dass ich ihn dann im April 2024 nicht sofort gesehen hatte, empfand ich fast als eine Art Schande für mich. Aber wer schaut in einer Stadt wie Venedig schon auf den Weg, auf den Boden? Es gibt doch genug anderes zu sehen. Gerade im Sestriere San Marco schweift der Blick eher staunend und bewundernd nach oben oder bleibt, wie auch in anderen Stadtteilen auf Schaufensterhöhe. Aber beim vierten oder fünften Durchlaufen dieser relativ engen Gasse zur Vaporetto-Station Rialto, sah ich ihn auf einmal – den Stolperstein. „Bonaventura Ferrazzutto – arrestato come politico – deportato Mauthausen“. Nun wurde mir klar, dass auch in Venedig diese Gedenksteine verlegt wurden und werden. Auch über einen weiteren im Viertel San Polo stolperte ich im wahrsten Sinne des Wortes. Anders erging es mir dann natürlich im Viertel Cannaregio, wo ich diese Gedenksteine nun im Gheto schon erwartete. Hier sind sie in größerer Anzahl z.T. bis zu 9 Stücken vor einem Haus zu finden. Ich erlebte ähnliches wie in Salzburg. Meine Pflasterknipserei hatte zur Folge, dass sich fast immer Grüppchen von Neugierigen um mich bildeten, die wissen wollten, was denn da am Boden so interessant war - was ich da in der typischen Haltung, mit mehr oder weniger vorgebeugtem Oberkörper und nach unten gesenktem Kopf, fotografierte. Man kann diese Haltung auch als respektvolle Verneigung wahrnehmen. Leider werden gerade in dieser schönen Stadt die Stolpersteine kaum wahrgenommen, weder als Mahnmal noch als Kunstwerke von Gunter Demnig, dem Initiator.
Und wie sollte es anders sein – zuhause gestaltete ich dann mit Hilfe des internetes wieder eine Collage. Dieser gingen bereits zwei ähnliche Arbeiten voran – „Hier wohnte“ und „It lakott“. Alle drei sind besondere Stadtpläne der Städte Salzburg, Budapest und nun Venedig. Gleich ist allen, dass hier die Stolpersteine der Stadt versammelt sind, je nach Platzverhältnissen innen oder hier in Venedig aufgrund der Enge, außen herum. Nur kleine goldfarbene Quadrate liegen an der Stelle, wo man sie finden kann, mit der Hausnummer versehen, die in Venedig anders ist als bei uns – meist eine vierstellige Zahl ohne Straßennamen. Dies erschwerte mir die Arbeit ungemein. Der größte Unterschied zu den beiden Werken davor besteht darin, dass auf diesen Plänen Straßen aufgezeichnet sind, nur die, in denen die Gedenksteine liegen, hier aber Wasserstraßen. Venedig gleich erkennbar an der typischen Form des „Canal Grande“ und dazu alle anderen kleinen Kanäle und unzähligen Brücken. Alle 400 wird der Betrachter aber sicher nicht finden. Dafür jedoch die vielen Kirchen, die ebenso zur Lagunen-Stadt gehören.
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